Schweizer Jesuiten nehmen Flüchtlinge auf

Schweizer Jesuiten nehmen Flüchtlinge auf

JRS Schweiz

Fribourg, November 2015 – Angesichts der Not so vieler Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns nach Europa kommen, um hier Schutz und Sicherheit zu finden, sehen wir uns als Orden in der Pflicht, den Flüchtlingen auch hier zu helfen und ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen», betonte P. Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten, vor wenigen Wochen. Gesagt, getan. Die Gelegenheit war günstig: Das Tagungshaus Notre-Dame de la Route ist seit dem 31.August geschlossen. Es soll demnächst renoviert werden. Die Jesuitenprovinz fasste kurzerhand den Entschluss, die leerstehenden Zimmer der ORS Service AG – einer Organisation, die sich im staatlichen Auftrag um die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen kümmert – zur Verfügung zu stellen. Seit Anfang Oktober sind 48 Flüchtlinge, darunter vier Kleinkinder, in Notre-Dame de la Route eingezogen und warten hier auf die abschließende Bearbeitung ihres Asylantrags. Bis zum Beginn der Renovierungsarbeiten Mitte Januar 2016 werden sie im Tagungshaus eine Bleibe haben.

 

Flüchtlinge aus mehreren Nationen
Die Mehrheit der neuen Hausbewohner stammt aus Syrien (15) und Afghanistan (15). Hinzu kommen Iraker (7), Pakistaner (2), Somalier (2), Guineer (3) und Eritreer (4). Die Hälfte von ihnen sind unverheiratete Männer zwischen 20 und 23 Jahren. Auch drei Familien haben Unterkunft bei den Jesuiten gefunden, ebenso drei unbegleitete Minderjährige im Alter von 16 und 17 Jahren.

In Notre-Dame de la Route werden die Flüchtlinge nicht nur mit Essen versorgt. «Wir bieten ihnen auch Kleidung an, die wir als Spende erhalten», erklärt P. Jean-Bernard Livio SJ, der Leiter des Hauses. Darüber hinaus erhalten die Flüchtlinge vom Staat ein kleines Taschengeld: 1 Franken pro Tag für die Jüngsten und 3 Franken für Erwachsene. «Von dem Geld, das der Kanton vom Bund erhält – ca. 60 Franken pro Tag und Person – muss er für alle Kosten des Aufenthalts aufkommen. Inbegriffen sind Kranken- und Unfallversicherung, Französischkurse und die Betreuung durch Sozialhelfer.»

 

Eine Zeit des Übergangs
Die bei den Jesuiten untergebrachten Asylbewerber werden wohl größtenteils in der Schweiz bleiben. Bis Anfang 2016 wird der Status der meisten von ihnen geregelt sein. Davon ausgenommen sind die Eritreer, die gemäß dem Dublin-Abkommen in ihr Erstaufnahmeland zurückgeführt werden – in den meisten Fällen nach Italien. Die anderen werden sich im Kanton Freiburg ansiedeln.«Der Zeitraum zwischen der Flucht und dem endgültigen Niederlassen in unserem Land ist ein wichtiger und schwieriger Moment des Übergangs», so Pater Livio. «Die Flüchtlinge sind jetzt am Ende ihrer Reise angelangt – und dessen werden sie sich nach und nach bewusst.»

 

Um Integration bemüht
In dieser Zeit schlagen sie erste Wurzeln in der Schweiz und bemühen sich, einen Platz in unserer westlichen Gesellschaft zu finden. Viele von ihnen haben Schreckliches erlebt, leiden unter schweren Traumatisierungen, über die sie kaum sprechen. Sie verstehen unsere Sprache nicht, manche sprechen nur ein wenig Englisch. Nun leben sie gewissermaßen zwischen zwei Welten. Viele sind hin- und hergerissen und hängen sehr an ihrem Handy, über das sie Angehörige finden und Nachrichten übermitteln können. «Die Erwachsenen haben verstanden, wie wichtig es ist, ihr Gastland kennenzulernen. Sogar die Kinder versuchen, die fremde Sprache zu sprechen, indem sie hier und da Wörter verwenden, die sie bei uns aufgeschnappt haben. Diese Kinder werden so bald wie möglich eingeschult, Darauf freuen sie sich schon sehr», berichtet P. Livio.

 

Céline Fossati

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